Interview mit Schoen.frau Das Magazin verbindet.vernetzt.vereint. In unserem Online-Magazin erzählen Frauen in persönlichen Gesprächen, was sie im Leben bewegt


Die Bademantel-Königin

 

Weil ihr gewöhnliche Bademäntel nicht gefallen haben, hat Catrin Soreia Ohlsen begonnen, ihre eigenen Kreationen zu designen. Heute verkauft sie auf ihrer Website meinbademantel.de unter dem Label VONNESLHO Luxusmodelle in viele Länder der Welt. Ich treffe sie in ihrem Atelier im beschaulichen Ahorn bei Coburg, wo wir bei einem Kaffee und Kangen-Wasser darüber sprechen, wie wohltuend es ist, sein Talent im Beruf voll ausleben zu können.
Catrin, wie kommt man eigentlich auf die Idee, sich mit der Produktion von Bademänteln selbstständig zu machen?

Das kann ich ganz einfach beantworten: Weil ich endlich einen Bademantel haben wollte, der all meinen Ansprüchen genüge tut. Keiner der Bademäntel, die ich mir früher gekauft habe, hat mir wirklich gefallen. Der Schnitt hat meist nicht gepasst, das Design nicht und auch nicht das Material. Eigentlich habe ich immer in diesen Mänteln gefroren oder unförmig ausgesehen. Und da ich gerne in die Sauna gehe, brauchte ich nun mal einen schönen und kuschligen Bademantel. Und somit habe ich mir einfach den Bademantel meiner Träume selbst designt und genäht.

 

Du bist ursprünglich Spielzeug-und Grafikdesignerin, nicht wahr? Einen Bademantel zu entwerfen ist schon nochmal was Anderes…     
                                                                       
Das stimmt, aber da ich schon von Kindesbeinen an gerne genäht habe und ja auch schon viele Jahre vor meiner Bademantel-Zeit mittelalterliche Gewänder und Walkloden-Mode entworfen und produziert habe, fiel mir das nicht schwer.

 

Jetzt bin ich aber neugierig:  Was ist denn nun an deinem ersten selbst entworfenen Bademantel so anders?

 

Er ist vor allen Dingen lang, bodenlang, denn ich friere ja schnell. Und optisch ist er auch was Besonderes: Er ist eigentlich eher eine Robe. Außen besteht er aus schwarzem Nicki-Stoff, der schön wärmt, innen aus rotem Frottee, der auf der Haut ein ganz weiches Gefühl hinterlässt. Mir ist es wichtig, dass meine Bademäntel ihre eigene persönliche Note haben.

 

Das scheint anzukommen, denn bei dem einen Bademantel für deinen Privatgebrauch ist es ja nicht geblieben…

Ja, das war eine schöne Fügung. Viele haben mich auf meinen besonderen Bademantel angesprochen, den ich dann natürlich auch in öffentlichen Thermen getragen habe. Ich bekam viele Anfragen und Aufträge – der Mantel war ein Hingucker. Eines Tages habe ich mich dann entschlossen, mich mit der Produktion von ausgefallenen Bademänteln selbstständig zu machen. Heute bekommt man bei mir viele unterschiedliche Modelle, die von den herkömmlichen Modellen abweichen und ganz anders sind. Ob Sommer oder Winter, mit meiner Bademantel-Mode ist man immer stilvoll gekleidet in heimischen oder öffentlichen Spa- und Wellness Oasen.

 

War der Gang in die Selbstständigkeit ein großes Wagnis für dich?

Ich war ja auch vorher schon selbstständig mit meinen historischen Kleidern und ausgefallener Walkmode, von daher war das nur ein kleiner Schritt in eine andere Richtung. Grundsätzlich ist es aber ein schwerer Weg in dieser Branche, man muss sich eine Nische suchen in der Modewelt, sonst hat man kaum eine Chance. Unsere Bademäntel sind was Besonderes, nicht nur ihr Design ist unverwechselbar, auch die Stoffe sind aus bester Bio-Qualität, mittlerweile lassen wir unsere Stoffe sogar selbst weben. Die Mantel-Roben werden in kleinen Nähereien regional in Deutschland gefertigt, also alles sehr nachhaltig. Außerdem bin ich auch offen für Auftragsarbeiten, ich versuche jeden Design-Wunsch zu erfüllen. Du musst was anders machen, wenn du erfolgreich sein willst. Das ist das Credo von mir und meinem Mann, der mir glücklicherweise mit seinem kaufmännischen Denken bei unserem Business sehr behilflich ist.

 

Deine Bademäntel sind ausschließlich online erhältlich. Träumst du von einem eigenen Laden

 

Einen Laden nur mit Bademänteln zu unterhalten, das ist wirtschaftlich schwer tragbar. Ich hatte das aber alles schon mal: Ich habe ein eigenes Atelier mit meinen historischen Gewändern betrieben und habe auch gemeinsam mit anderen Künstlerinnen in Coburg in einem Laden meine Walkmode verkauft. Alles aber hat seine Zeit. Heute verkaufe ich online, was aber nicht heißt, dass das nicht persönlich ist. Im Gegenteil, wer bei mir anruft, bekommt mich meist persönlich ans Telefon. Auch packe ich jeden einzelnen Bademantel selbst ein und lege Wert auf einen Wohlfühlmoment beim Auspacken, so kommt in jedes Paket ein kleines, liebevolles Präsent dazu. Auf unserer Website sind meine Kinder, mein Mann und ich selbst die Models, die die Modelle tragen und vorführen, also alles sehr persönlich. Meine Ware ist nicht von der Stange, und ich möchte auch nicht mit großen Online-Verkaufsplattformen zusammenarbeiten, das passt nicht zu uns und mir.

Du verkaufst deine besondere Ware in viele Länder, dein Atelier und Firmensitz ist ein Raum im Souterrain eures Hauses in Ahorn bei Coburg. Gibt es denn viele Coburgerinnen und Coburger, die in deinem Online-Shop bestellen?

Einige wenige gibt es, ja, aber insgesamt beobachte ich, dass die Menschen viel Wert darauf legen, in welcher namhaften Großstadt das begehrte Modelabel seinen Firmensitz oder seine Läden hat. Viele fahren offenbar lieber nach München zum Shoppen als einem Label zu vertrauen, das aus der Heimat kommt. Und da spreche ich nicht nur für mein Label, es gibt noch einige tolle andere aus unserer Region. Das seit Jahren zu beobachten, finde ich schade.

 

Aber du gibst deswegen nicht auf…?

Nein, ich suche mir einfach weiterhin unermüdlich Möglichkeiten, meine Bademäntel zu präsentieren. So kann ich mir gut vorstellen, in Coburg oder auch anderen Städten in passenden Läden oder Hotelboutiquen meine Kollektion zu präsentieren und zu verkaufen. Ich lasse mich nicht entmutigen, denn das, was ich mache, mache ich einfach zu gerne. Ich arbeite mit Liebe und Sorgfalt, nähen ist für mich wie Meditation, einfach wohltuend.

 

Ein VONNESLHO-Bademantel ist in seiner Individualität also was fürs Leben…

Auf jeden Fall! Ich biete keine Massenware an. Ich kann flexibel reagieren und auch schnell mal Anregungen umsetzen, die mir meine Kundinnen und Kunden zutragen. Und natürlich nehme ich auch Sonderwünsche entgegen, was vor allem Größe und Schnitt betrifft. Zusätzlich lege ich größten Wert auf hochwertige und nachhaltige Stoffe, ebenso auf faire und regionale Fertigung. Die aktuellen politischen Entwicklungen und die damit verbundene Preissteigerung bezüglich Rohstoffen und Lohnkosten machen es mir als selbstständige Designerin allerdings gerade etwas schwer.

 

 

Bei diesem Gedanken wird dir nicht bange?

Schon ein wenig, aber ich bin ein zuversichtlicher und optimistischer Mensch. Und ich bin kreativ und handwerklich talentiert, um eines Tages auch was Anderes machen zu können. Ich bin von meiner Familie sehr freigeistig begleitet worden, war früher in vielen kreativen Arbeitsgruppen tätig. Ursprünglich wollte ich ja in die Keramikbranche gehen, weil ich sehr viel Freude daran hatte und meine kleinen Werke in Ausstellungen bis nach Moskau zu sehen waren. Aber da sagte man mir einst, fürs Töpfern hätte ich zu dünne Arme (lacht).

 

Du kannst echt stolz sein, wie vielfältig du bist…

Ich bin dankbar. Dankbar für das Talent, was ich, so glaube ich zumindest, von meinem Großvater geerbt habe. Kurt W. Streubel war Maler, Graphiker und Schriftsteller, ein unglaublich kreativer Geist. Ihn habe ich immer sehr verehrt – und tue es heute, 20 Jahre nach seinem Tod, mehr denn je. Wir alle sollten etwas haben, woran wir glauben im Leben, an einen Menschen, an eine Sache, an eine Vision. Es ist nicht leicht, seinen beruflichen Weg als junger Mensch zu finden, aber ich kann nur jede und jedem raten, was ich auch meinen Kindern mitgebe: Mache etwas, was dich glücklich macht, zumindest so oft es geht.

 

Das Interview führte Christina, die sehr beeindruckt ist von der Kreativität, Leichtigkeit und Zuversicht, die Catrin Soreia ausstrahlt. Christina kennt die Tochter von Catrin, die ihr eines Tages vom Bademantel-Business der Mama erzählt hat. Gleich war für Christina klar: Mit dieser Frau möchte sie ein Interview führen. Schoen, dass es geklappt hat. Und wie schoen, dass Catrins Tochter Jule Anica sich gerade ein kleines Business als Fotografin aufbaut, und die Fotos für unser Interview schießen konnte.

Noch mehr wundervolle schoen.frau :en  Interview´s findet man hier: https://www.schoenfrau-mag.de/